Mehrzweckwagen C3 Nr. 203

Bezeichnungs- und Umbaugeschichte

Die Geschichte des C3  203  ist nicht restlos klar. Aufgrund der Eintragungen bei der ASt, später SGA, später AB müsste er aus der Grundausstattung von 1889 stammen (Bild Oben). Er hätte dann die Bezeichnung C L3  203  getragen und wäre einer jener im Jahresbericht 1890 erwähnten "Güterwagen mit Einrichtung zum Personentransport" gewesen sein.

Nach diesen Eintragungen hätte der Wagen die folgende Geschichte:

- 1889 Inbetriebnahme als CL 3  203
- 1902 Umbenennung in C 3  203 (und möglicherweise bereits Spitzdach)
- 1948 Umbenennung in C 3  143 (also weiterhin als Personenwagen, aber mit Sicherheit nur Zweiachsig)
- 1953 Umbenennung in K 3  214, also Umbau zum Güterwagen
- 1970 Umbenennung in K 214 weil längst nicht mehr dreiachsig
- 1974 Umbenennung in Hck  214
- 2008 Neuaufbaut durch AG 2 unter der (fast) ursprünglichen Bezeichnung C 203

Ob diese Aufschreibungen richtig sind, lässt sich nicht schlüssig nachweisen, denn 1904 wurden Wagen mit sehr ähnlicher Spezifikation angeschafft welche die Bezeichnung C 3  68 - 70 trugen.

Zu der Umbenennung 1974 in Hck ist wichtig, zu wissen, dass dies keine interne Umnummerierung war.

Für die Güterwagen der schweizerischen Schmalspurbahnen wurde 1974 ein neues Bezeichnungsschema eingeführt, das sich an das UIC-Schema anlehnte und auch für alle normalspurigen Güterwagen international gültig ist.

Die neu eingeführten Kennbuchstaben haben eine völlig andere Bedeutung als die früheren, längst offiziell abgeschafften.

Es bedeuten:
H gedeckter Wagen, nicht für Tiertransporte geeignet
c  Stirnwandtüre
k  weniger als 15 t Tragkraft

Weil die Identität des Wagens (s. Unten) nicht restlos klar ist, lässt sich auch nicht mehr ganz eindeutig sagen, wie er ursprünglich wirklich ausgesehen hat. Das folgende Bild zeigt einen solchen Wagen, mit lediglich improvisierter "Einrichtung zum Personentransport". Dabei handelt es sich mit Sicherheit um einen CL 3 aus dem Jahr 1889.
Bild: Sammlung Holderegger

Die andere Herkunftsgeschichte

1904, gleichzeitig mit anderen Wagen, z.B. dem heutigen A 101 wurden drei 'offene Personen - Sommerwagen' mit der Typenbezeichnung 'C3' angeschafft.

Aus dem Beschaffungsverfahren ist uns ein Plan vom 9. März 1899 erhalten geblieben. Ihm aufgeheftet findet sich die mit'13.5.03' datierte Notiz:

'40 Sitzplätze
3-Achsig
Untergestell ähnlich, womöglich einfacher wie bisher.
Kasten wie B.O.B offene III Cl.
Seitliche Rollvorhänge aus Stoff wie Rigibahn (Parasole)
eventuell nur 1 Plattform um Länge zu sparen.

Diesem Plan scheint der heute noch vorhandene Wagen zu entsprechen.

Bild: MUSEUMSVEREIN APPENZELLER BAHNEN

Der auf dem nachfolgenden Bild sichtbare Wagen scheint dem Plan zu entsprechen. Sichtbar sind die fünfeinhalb Achsen des Wagenkastens. Eigentlich sind es sechs Achsen, aber die sechste ist halbiert für eine 'halbe' Sitzreihe und die Plattform.

Nicht zu sehen sind die in Blickrichtung gegen die Plattform auf der linken Seite durchgehende Seiten-Täferung und die ebenfalls auf dieser Seite angebrachte Seitentüre bei der hintersten Bank. Allerdings scheint der abgebildete Wagen bereits etwas umgebaut zu sein und eine hintere Front-Türe aufzuweisen. Entsprechend hätte er dann auch keine Seitentüre und keine die Plattform verschliessende Täferung mehr.

Ebenfalls auf dem Seitenriss des Plans nicht zu erkennen ist die Tatsache, dass die Wagen von Anfang an ihr charakteristisches 'Spitzdach' besassen.

Bild: Sammlung Holderegger

Das Bild stammt vom Bahnhof Teufen und wurde 1941 aufgenommen. Es zeigt zwei der zu dieser Zeit als 'Hck' bezeichneten Sommer-/Güterwagen. Gut zu erkennen sind die gebliebene etwas eigenartige Seiteneinteilung, die Bänke im Inneren und die auf der Notiz zum Plan erwähnten 'Roll-Vorhänge wie Rigi-Bahn'.

Die Umnutzung

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Wagen definitifv zum Güterwagen umgebaut. behielt aber seine Bezeichnung als HCk. In den 1970-er Jahren erhielt er eine Verkleidung mit Wänden des in der Gegend bekannten Naïv-Malers-Hans Krüsi.

Nach der Entfernung der Bild zwecks geeigneterer Einlagerung blickte der Wagen seinem Abbruch entgegen, bis ihn der Verein AG 2 total restaurierte und in ein Aussehen brachte, das jenem in der Zwischenkriegszeit ähnelt. Dabei wurde allerdings aus technischen Gründen darauf verzichtet, die 5-er Teilung der Fenster zu rekonstruieren, weil die entsprechende Trage-Konstruktion nicht mehr vorhanden war.