SGA BCFeh Nr. 5

Beschaffungsbeschluss

Am 20. März 1929 fasste der Verwaltungsrat der ASt den Beschluss zur Elektrifizierung der Bahnlinie St. Gallen – Teufen – Gais – Appenzell.

Spezifikation

Als Triebfahrzeuge wurden fünf Personen-Triebwagen für 2. und 3. Klasse mit Gepäckabteil (BCFeh 4/4) und 600 PS Stundenleistung bestellt. Dabei wurde die SLM Winterthur als Generalunternehmerin bestimmt, wobei die elektrische Ausrüstung durch die BBC und der wagenbauliche Teil von der SIG geliefert wurden.

Besonderheit

Die grosse Leistung (damals stärkster Adhäsions-/Zahnradtriebwagen der Welt) und die engen Kurven der - damals noch - ASt (Appenzeller Strassenbahn) verunmöglichten den üblichen Einbau der Fahrmotoren in die Drehgestelle.  Als weltweit einzigartige Lösung wurde ein Antrieb mit Kardanwellen und am Fahrzeugkasten montierten Motoren gewählt. Diese Antriebskonfiguration wurde von den Französischen Staatsbahnen erst mehr als 40 Jahre später für die TGV-Züge wieder aufgegriffen.

Die Triebwagen weisen eine Tara von 40 t auf und können Züge mit einer max. Anhängelast von 65 t führen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 40 km/h bei Adhäsion und 24 bzw. 18 km/ auf Zahnstangenabschnitten.

Strecke

Auf der Strecke St. Gallen – Appenzell waren damals die folgenden Zahnstangenabschnitte vorhanden:

Ruckhalde bei St. Gallen 92 o/oo Länge 997 m
Lustmühle - Niederteufen 89 o/oo Länge 734 m
Lindenstich in Teufen 81 o/oo Länge 250 m
Strahlholz Bühler - Gais 87 o/oo Länge 719 m
Sammelplatz - Appenzell 82 o/oo Länge 1'658 m

 

Lieferung und Preis

Die Triebwagen wurden am 20. Januar 1930 bestelltt. Bereits am 8. Dezember 1930 wurde der erste Triebwagen abgeliefert.

Die Kosten beliefen sich auf CHF 183‘020.70 pro Stück,  insgesamt also auf CHF 915‘103.45.

Haupt-Einsatzzeit

Bis zur Inbetriebnahme der Triebwagen Nr. 6 – 8 in den Jahren 1952/1953 führten die Triebwagen des Typs BCFeh 4/4 alle Züge zwischen St. Gallen-Teufen-Gais nach Appenzell. Sie kamen auch regelmässig mit den direkten Zügen St. Gallen – Wasserauen auf die Strecke der damaligenAppenzeller Bahn.

Auch nach 1952 bis zur Ablieferung der Triebwagen Nr. 11 bis 15 führten sie weiterhin den Grossteil der Züge zwischen St. Gallen und Appenzell. Bis 1981 legte jeder Triebwagen etwa 2,6 Millionen Kilometer zurück.

Ab 1981 wurden BCFeh 4/4 durch die Pendelzüge BDeh 4/4 11 – 15 und die Steuerwagen ABt 111 – 115 ersetzt.

Endphase

Ab 1981 wurden die Triebwagen für die Rollbockzüge ab Gossau SG eingesetzt. Dabei wurden regelmässig Kieszüge mit einem Fahrzeug an der Spitze und einem am Ende des Zuges von Gossau bis zur Entladestelle Furt bei Zürchersmühle geführt. Der Kies wurde vor allem für den Bau der neuen Hundwilertobelbrücke verwendet. Rollbockzüge verkehrten von Gossau bis Wasserauen, vereinzelt aber auch von Appenzell bis Teufen. Erst mit der Ablieferung der Ge 4/4 Nr. 1 wurden die Fahrzeuge „arbeitslos“.

Auf dem Netz der Appenzeller Bahnen existiert nur noch der Triebwagen BCFeh 4/4 Nr. 5. Er wurde jahrelang nur noch vom Depot Gais aus für Dienstzüge eingesetzt. Nun wird er aber, nach einer Revision, vor allem für Nostalgiezüge eingesetzt.