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Präsident: Alexander Bless

Geschichtlicher Hintergrund
zur Altstätten - Stoss - Gais-Bahn


Der letzte "überlebende", das heisst nicht nur fahrtüchtige, sonder für den öffentlichen Verkehr zugelassene Zeuge der Altstätten - Stoss - Gais-Bahn schöpft seine historische Bedeutung aus zwei Quellen:
- seinem Baujahr,
- dem Kontext, in dem er steht.

Über das Baujahr viele Worte zu verlieren, ist überflüssig. Immerhin lohnt sich ein zeitlicher Seitenblick. 1913 wurde auf dem Vierwaldstättersee das DS "Gallia" in Dienst gestellt, 1928 das DS "Stadt Luzern". Die SBB baute Personenzug-Dampflokomotiven der Serie B 3/4 bis 1916. Da dürfen wir es schon als zukunftsweisend bezeichnen, wenn 1911 ein elektrischer Triebwagen für eine Steigung von 160 o/oo eingesetzt wurde.

Für in der Gegenwart an der Bahngeschichte Interessierte besonders aufschlussreich erweist sich indessen der Kontext.
Aussrrhoden galt zu Anfang des 20. Jahrhunderts gemessen an seiner Bevölkerung als der meistindustrialisierte Kanton mit einem starken Schwergewicht auf der Textilindustrie. Günstige, zuverlässige und relativ rasche Transportmittel besassen hohen Wert. Unter anderen Motiven (nämlich der reinen Sekulation) bildeten diese Transportbedürfnisse eine zentrale Grundlage für das rasche Entstehen einer relativ grossen Zahl von (Berg-)Bahnanschlüssen in die Hügel des Appenzellerlandes.

Der erste Weltkrieg setzte der Expansion fürs Erste ein Ende (zum Beispiel dem Traum einer Adhäsionsbahn über Wasserauen in Richtung Säntis). Die Dreissiger-Jahre führten dann auch noch die Textilindustrie in den Zusammenbruch. Sie vermochte sich aus der damaligen Krise nie mehr wirklich zu erholen. Das setzte auch der Eisenbahnentwicklung einen Schlusspunkt - und bescherte den Bahnen nie mehr ganz endende Finanznöte.

Dem ist es unter Anderem wohl zu verdanken, dass viele notwendigerweise abgelöste Fahrzeuge "vorderhand" nicht verschrottet, sondern garagiert und in Reserve gehalten wurden. Der Abbrucheifer begann ganz gegen Ende des 20. Jahrhunderts und es ist mehr dem Glück und der Trägheit (oder dem Widerstand?) der technischen Dienste zu verdanken, dass es nicht gelang, die Zeugen der Vergangenheit zu beseitigen.

So stehen wir nun, rund 100 Jahre nach der Bahneuphorie vor der glückhaften Tatsache, dass die Appenzeller Bahnen eine fast lückenlose Sammlung ihrer bahngeschichtlichen Zeugen besitzen. Diese Wertschätzung geniessen die Historischen Fahrzeuge heute auch von Seiten der Bahn selbst. Schade nur um die nicht mehr vorhandenen Dampflokomotiven der St. Gallen - Gais - Appenzell-Bahn, die allerdings "schwierig" und technisch zwar einmalig, aber unzuverlässig gewesen sein müssen.

Dennoch: die Sammlung besticht nicht nur und nicht einmal in erster Linie durch die Kostbarkeit der einzelnen Stücke, wenngleich der Triebwagen CFe 3/3 No. 2 aus dem Jahr 1911 und der dieselelektrische Triebwagen aus dem Jahr 1928 sich als Juwelen verstehen dürfen. Die Einmaligkeit und der Gesamtwert der Sammlung leitet sich vor allem aus ihrem Ensemble ab. Es handelt sich im Gegensatzu zu einem Eisenbahnmuseum aus zusammengesammelten Einzelstücken um ein gewachsenes Ganzes, um die beinahe lückenlose, dokumentiderte und für den Personenverkehr verfügbare Geschichte einer Bahnregion, vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

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am 20./21./22. August 2010



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